Steinbach - ein geschichtlicher Überblick

Autor: Peter Anhalt

Steinbach ist ein ehemaliges Bauerndorf oberhalb des Leinetals. Die Feldflur liegt am leicht ansteigenden Hang des Rotenberges, der auf seinem höchsten Punkt 407 Meter erreicht.

In alten Zeiten, als man sumpfige Täler als Verkehrswege mied, führte oberhalb des Dorfes eine wichtige, von Süden nach Norden verlaufende Straße entlang (Hohe Straße). Der Rotenberg (der gerodete Berg) bildet eine Wasserscheide, gleichzeitig ist er bis heute die Sprachgrenze zwischen Hoch- und Niederdeutsch sprechenden Menschen.

Das Dorf selbst ist eine fränkische Siedlung, die im schützenden Tal des Steinbachs wahrscheinlich im 8. Jahrhundert gegründet wurde. Im Dorfkern hat sich die alte Siedlungsstruktur gut erhalten. Seine Ersterwähnung im Jahr 1294 verdankt der Ort ebenfalls seiner Grenzlage. Die Dominikaner von Göttingen und Mühlhausen hatten hier ihre Termineigrenze (Grenze ihres Bettelbezirkes).

Steinbach gehörte bis zum 16. Jahrhundert zum Zisterzienserinnenkloster Beuren. Die hiesigen Bauern konnten als Klosteruntertanen meist ungestört wirtschaften.

Die Besitzverhältnisse waren relativ gleichmäßig verteilt und auf Grund der großen Feldflur (8,48 km²) konnten die ca. 600 Einwohner gut leben.

Zu allen Zeiten war es möglich, dass Söhne der größeren Bauernhöfe zum Studium geschickt wurden. Spuren im Dorf hat ein auf Grund seiner Verdienste geadelter Jurist hinterlassen. Caspar von Henkelmann war Rat des Herzogs von Lothringen und zu Beginn des 18. Jahrhundes am Reichtag in Regensburg tätig.

Der erste Eichsfelder Doktorand an der Universität Halle, Carl Dräger, ein Mediziner, kam ebenfalls aus Steinbach. Meistens wurden die Bauernsöhne jedoch Priester oder Lehrer. Erstaunlich viele von ihnen waren schriftstellerisch tätig. So schrieb Heinrich Leineweber (1845-1910) den ersten Reiseführer für das Eichsfeld. Als Dichter besonders bekannt sind Professor Clemens Leineweber (1876-1954) und der Mundartdichter Karl Leineweber (1910-1997).

Von den Nachbardörfern werden die Steinbächer gern als Eulen bezeichnet. Man spielte mit diesen Spitznamen auf fleißige Menschen an, die sehr früh aufstanden, um in ruhigen Morgenstunden mit ihren Fuhrwerken unliebsamen Krach zu verursachten. Da die Eule jedoch auch ein Vogel der Weisheit ist, nahmen die Steinbächer dieses Tier gern in ihr Wappen auf.

Als katholische Pfarrei tritt Steinbach erst im 16. Jahrhundert in Erscheinung. Seit dieser Zeit wird der Wallfahrtsort Etzelsbach von hier aus betreut. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten die Steinbächer zu dem Gnadenort eine große Verbundenheit. Es sei angemerkt, dass im Laufe der Zeit über 30 Steinbächer Priester wurden.

Heute beschäftigen sich nur noch wenige Einwohner berufsmäßig mit der Landwirtschaft. Einige wenige Landwirte bewirtschaften die Flur, die früher ein ganzes Dorf ernähren konnte.

Das Dorf am Rotenberg liegt heute abseits der Verkehrswege und hat keine befahrende Durchgangsstraße. Es lässt sich hier ruhig leben. Weite Wanderwege mit schönen Aussichten bis zum Harz mit seinem Brocken und auf der gegenüberliegenden Seite dem hessischen hohen Meißner sowie gut befestigte Pilgerwege rund um den Wallfahrtsort Etzelsbach machen Steinbach für Urlauber und Erholungssuchende attraktiv. Seit dem Papstbesuch 2011 in Etzelsbach ist der Bekanntheitsgrad Steinbachs wesentlich gestiegen.